Bewertung von Oldtimern
Seltenheit zählt!
von G MJ | Erstellt am Dienstag, 01.06.2010, 12:57 | Kategorien: Dies und das
Lange war es das höchste Glück, wenn man einen Oldtimer besaß, der mit glänzendem Lack und tadellosen Polstern den Eindruck erweckte, als wäre er gerade erst vom Band gelaufen.
Das ließ sich meist nur erreichen, indem ein altes Auto komplett auseinandergenommen, sorgfältig restauriert, neu lackiert und auch mit neuen Sitzbezügen versehen wurde.
Hierzu war auf den Messen des Jahres 2010 eine veränderte Tendenz festzustellen: ein möglichst gut erhaltenes Fahrzeug, das noch den (ersten!) Original-Lack trägt und dessen Sitze allenfalls geringe Gebrauchsspuren zeigen, steht seit einiger Zeit wegen der kaum sichtbaren, aber trotzdem spürbaren Patina höher im Rang als ein komplett restauriertes, "wie neu" aussehendes Auto.
Der Grund dürfte darin liegen, dass ein sehr gut erhaltenes, aber noch nicht restauriertes Fahrzeug noch wesentlich seltener zu finden ist als ein Scheunenfund, der wieder "in Schuss" gebracht wurde.
Bei ganz seltenen Stücken gilt dies sogar auch dann, wenn das Auto gar nicht restauriert wurde. Extrembeispiel ist der Bugatti 22 Brescia Roadster Bj. 1925, der 1936 von seinem damaligen Besitzer im Lago Maggiore versenkt, 1967 vom Taucher Ugo Pilon wieder entdeckt und erst nach 70 Jahren am 12.07.2009 als total verrostetes Wrack wieder gehoben wurde. Diese "Fahrzeug" erzielte bei einer Versteigerung in Paris den stolzen Preis von 230.000 Euro und wird vermutlich nie mehr in Stand gesetzt, sondern sein künftiges Dasein als Ausstellungsstück in einem Museum in Los Angeles fristen.


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