Minerva
Bereits 1897 gründete Sylvain de Jong die Firma Minerva und produzierte in Antwerpen Fahrräder. Wie viele andere Unternehmen dieser Zeit führte auch für Minerva der Weg zum Auto über das Motorrad. Als nach einigen Versuchen die Zeit für de Jong reif schien, sich intensiver mit dem Thema Auto zu beschäftigen, gründete er 1903 dazu die NV Minerva Motors. Fünf Jahre lang produzierte er parallel Fahr- und Motorräder, doch 1908 hatte er seine berufliche Bestimmung endgültig gefunden und verlegte sich voll und ganz auf die Produktion von Luxuslimousinen mit durchaus bemerkenswerten sportlichen Eigenschaften.
Den technischen Durchbruch feierten die Minerva mit dem Erwerb einer Lizenz zur Fertigung des Doppelschiebemotors von Charles Yale Knight. Die damit befeuerten Boliden verbanden in Rennen und Leistungsprüfungen gezeigte Sportlichkeit mit komfortablem Interieur und luxuriösen Karosserien. Eine Kombination, welche gar Königshäuser zu Minerva-Kunden werden ließ. Aber auch Filmschauspieler wie Charlie Chaplin fuhren damals einen Minerva. In England hatte sich Charles Rolls auf den Vertrieb der Gefährte spezialisiert.
Der 1. Weltkrieg unterbrach die Entwicklung nur kurzfristig, da auch in den Kriegsjahren Autos gebaut wurden. Man produzierte leichte Panzerwagen für das belgische Militär. Doch schon 1920 ging es mit dem gewohnten Geschäftsfeld weiter. Die folgende Dekade war wohl die erfolgreichste in der Minerva-Geschichte. Man hatte sich als europäischer Top-Hersteller etabliert und wurde in einem Atemzug mit Maybach und Hispano-Suiza genannt.
Doch leider blieb es bei dieser einen goldenen Dekade, denn die Ende der 20er Jahre einsetzende Weltwirtschaftskrise versetzte den Nachfolgern von Firmengründer de Jong (starb 1928) einen herben Schlag. Die Verkaufszahlen gaben nach, die Firma konstituierte sich als Societe Nouvelle Minerva neu und mit der Produktion von Flugzeugmotoren wurde ein neues Geschäftsfeld erschlossen. Doch diese Maßnahmen konnten den Niedergang nicht aufhalten. 1936 wurde Minerva vom Konkurrenten Imperia übernommen. Unter der Marke Minerva wurden nun noch einige Jahre Fahrzeuge (auch Lastwagen) produziert, 1957 schloss Imperia jedoch die Tore und beendete damit auch das Kapitel Minerva.

